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Wirtschaftslexikon
über 20.000 Fachbegriffe - aktualisierte Ausgabe 2015
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Kondratieff-Zyklen

Bezeichnung für die von dem russischen Wirtschaftswissenschaftler Nikolai D.Kondratieff beschriebenen, in langen Wellen verlaufenden Schwankungen der Weltkonjunktur. In der Marktwirtschaft treten diese langfristigen Schwankungen in Perioden von vierzig bis sechzig Jahren auf. Auslöser dieser Wellen sind bahnbrechende Erfindungen oder sogenannten Basisinnovationen. Die erste lange Welle wurde von 1787 bis 1842 durch die Erfindung der Dampfmaschine ausgelöst und wurde durch die industrielle Revolution begleitet. Die zweite Welle von 1843 bis 1894 war durch die Entwicklung der Eisenbahn und Dampfschifffahrt, dem Ausbau des Bergbauwesens und der Erfindung der Telegrafie gekennzeichnet. Die dritte lange Welle der Weltkonjunktur von 1895 bis Ende der 1930er-Jahre wurde insbesondere durch echnische Neuerungen wie die Elektrifizierung, den Verbrennungsmotor und das startende Zeitalter des Automobils ausgelöst. Die anschließende vierte lange Welle wurde besonders von Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrttechnik und Kunststoffindustrie bestimmt. Experten meinen, dass der Beginn einer neuen langen Welle der Weltkonjunktur durch die einsetzenden, revolutionären Veränderungen in der Mikroelektronik, der Telekommunikationstechnik und der Biotechnologie ausgelöst werden wird. In der Gesundheitswirtschaft: Benannt nach Nikolai Dimitrijewitsch Kondratieff (1892-1938), russischer Ökonom. Kondratieff-Zyklen sind Konjunkturbewegungen in langen Wellen von circa 40 bis 60 Jahren Dauer mit einer darauf folgenden Übergangsphase zum nächsten Zyklus. Die Bezeichnung „Kondratieff-Zyklus“ wurde 1939 von Joseph Schumpeter in seinem Werk über Konjunkturzyklen geprägt. Ein Kennzeichen der Kondratieff-Zyklen ist, dass bereits vorhandene, aber bislang wenig oder nicht genutzte Ressourcen ins allgemeine Bewusstsein treten und plötzlich eine breite Bedeutung erlangen. Laut dem Wissenschaftler Leo A. Nefiodow, einem der bekanntesten Vertreter der Theorie der langen Wellen, sind Kondratieff-Zyklen „Innovationsschübe, die von bestimmten Erfindungen ausgelöst werden, welche die ganze Gesellschaft für einen Zeitraum verändern, bis sich ihr Innovationspotential erschöpft hat.“ Mit dem Übergang zum nächsten Zyklus finde immer auch eine tief greifende Veränderung der Gesellschaft statt, die Kondratieff-Zyklen seien somit nicht nur Konjunkturbewegungen, sondern gesellschaftliche Reorganisationsprozesse. Der kommende „sechste Kondratieff“ wird nach Expertenmeinung beherrscht werden von den Themen Gesundheit, Wellness und Bildung, die damit zu Schlüsselfaktoren der Wirtschaft werden. Damit wird der Gesundheitsmarkt zu einem wichtigen Schlüsselmarkt der wirtschaftlichen Entwicklung. Die bisherigen Kondratieff-Zyklen lassen sich wie folgt zusammenfassen, wobei die Zeitangaben nur eine grobe Einteilung darstellen und auch die Übergangsphasen zwischen den Zyklen umfassen: 1. Zyklus: ca. 1780–1850 (Dampfmaschine, Baumwolle, Textilindustrie) 2. Zyklus: ca. 1850–1890 (Stahlerzeugung, Eisenbahn) 3. Zyklus: ca. 1890–1940 (Elektrotechnik, Stromerzeugung, Chemie) 4. Zyklus: ca. 1940–1975 (Petrochemie, individuelle Mobilität, gekennzeichnet durch Automobil und Flugzeug) 5. Zyklus: ca. 1975–2010 (Informationstechnologie, Computernetze, Gentechnologie) 6. Zyklus: ab ca. 2010–20XX (Psychosoziale Gesundheit, Biotechnologie, wahrscheinlich Gesundheitsmarkt insgesamt)



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