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Verdinglichung

 
   
In der Wirtschaftssoziologie: [1] besonders von G. Lu-käcs im Anschluss an K. Marx verwendeter Begriff für eine Form der Entfremdung, die das Bewusstsein oder das Denken betrifft. Verdinglichtes Bewusstsein oder verdinglichtes Denken begreift den Zusammenhang von Mensch und von ihm geschaffenem Gegenstand, von Produzent und Produkt nicht mehr, sondern hält diese Spaltung für eine grundlegende und natürliche und die vorn Menschen geschaffenen Dinge (seien es Waren, gesellschaftliche Regelungen oder soziale Institutionen) für ausser der Gewalt des Menschen stehende und ohne ihn (natürlich) entstanden. Diese, für die Marxisten in der kapitalistischen Produktionsweise unvermeidbare Erscheinung, wirkt sich vor allem in den Anschauungen zur Religion, zur Moral und zur Kunst, aber auch zur Wissenschaft und Philosophie aus. Im Bereich des Religiösen ist die menschliche Welt in eine religiöse und eine weltliche verdoppelt, und moralische Gebote sind von aussen aufgegeben. Die Kunst spiegelt die Spaltung von schlechter Wirklichkeit und unwirklicher Idee. Die „positivistische“ Wissenschaft wiederholt den Gegensatz von Produzent und Produkt in der erkenntnistheoretischen Spaltung von Subjekt und Objekt. Wie die Entfremdung verschwindet die Verdinglichung nach der revolutionären Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise. [2] Die nicht-marxistischen Soziologien, insbesondere die soziologischen Persönlichkeitstheorien, gehen von der Normalität eines bestimmten Grades von Verdinglichung aus: Die Spaltungs- und Entpersönlichungsphänomene sind konstitutiv für die Möglichkeit des Menschen, überhaupt Rollen zu spielen, Abstand zu nehmen und zu reflektieren. [3] Der Begriff Verdinglichung dient bei G. Simmel zur Erfassung des Phänomens, dass in der modernen Gesellschaft „aller Sachgehalt des Lebens immer sachlicher und unpersönlicher wird, damit der nicht zu verdinglichende Rest desselben um so persönlicher, ein um so unbestreitbareres Eigen des Ich werde“ (19072). Die Verdinglichung des Produzierten wird gefördert durch die Mechanisierung, die das Objekt löst von der Entäusserung eines bestimmten Subjekts. Symbol und Ursache für die Verdinglichung ist nach Simmel das Geld.  

 

 
   

 

 
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