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Wirtschaftslexikon
über 20.000 Fachbegriffe - aktualisierte Ausgabe 2015
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Länderrisikoursachen

Die bankgeschäftliche Bedeutung des Länderrisikos resultiert aus verschiedenen Ursachen: Unter quantitativen Aspekten sind vorrangig Entwicklungen im Auslandskreditgeschäft zu nennen: Spielten die Auslandsaktiva bis zum Beginn der 1970 er Jahre nur eine untergeordnete Rolle in den Bilanzen der deutschen Geschäftsbanken, änderte sich dies grundlegend ab 1973, als sich die Banken verstärkt am Recycling der Öl-gelder beteiligten. Parallel zur expansiven Entwicklung des internationalen Kreditgeschäfts kam es zur Risikoerhöhung im internationalen Bereich, z. T. auch auf wachsenden Interbankenwettbewerb in diesem Bereich zurückzuführen. Das führte dazu, dass Kreditbeträge grösser und -laufzeiten länger wurden. Bedingt durch wachsenden Konkurrenzdruck haben sich ausserdem die Margen im internationalen Kreditgeschäft reduziert mit entspr. Rentabilitätseffekten. Bedenklich wurde auch, dass die Marktverhältnisse eine an den individuellen Länderrisiken orientierte Ausgestaltung der Kreditmargen verhinderten. So wurden Schuldnerländer nachrangiger Bonität zu Konditionen bedient, die sich nur unwesentlich von denen erstklassiger Adressen unterschieden. Die ausserdem zu konstatierende Konzentration der Auslandskredite auf relativ wenige Kreditnehmer birgt für die Banken zusätzlich die Gefahr der Risikohäufung in sich. Ein qualitativer Aspekt ergab sich aus veränderten Finanzstrukturen: So wurden zunehmend ungebundene Finanzkredite vergeben, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Finanzierung bestimmter Aussenhandelsgeschäfte oder Projekte standen, sondern vor allem der Deckung von Zahlungsbilanzdefiziten dienten. Ein Wandel vollzog sich auch bei der Exportfinanzierung, die durch zunehmende Bedeutung des Bestellerkredits gekennz. ist. Hierbei fordern Kreditnehmerländer Kredite, die nicht zu projektgebundenen Zwecken, sondern de facto zur reinen Zahlungsbilanzfinanzierung verwendet werden. Parallel zu dieser Entwicklung erfolgte allmählich Verlagerung der Ausleihungen von privaten Kreditnehmern auf ausländische Institutionen des öffentlichen Bereichs. Eine weitere Strukturverschiebung ist in der Verdrängung der bonitätsmässig erstklassigen Industrieländer als Schuldner durch zahlungsbilanzschwache Entwicklungs- und auch Schwellenländer zu erkennen. Für die Entwicklungsländer nahmen die Belastungen aus dem Schuldendienst nicht nur nominal, sondern auch in Relation zu den Ex-portetlösen zu. Liquiditätsprobleme treten besonders in Staaten auf, denen es nicht mehr möglich ist, die zur Schuldendienstbegleichung benötigten Devisen zu erwirtschaften. Wenig entwickelte und wenig exportdiversifi-zierte Staaten sind hier besonders gefährdet.



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