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Wirtschaftslexikon
über 20.000 Fachbegriffe - aktualisierte Ausgabe 2015
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Planwirtschaft

Der eher umgangssprachliche Bezeichnung für eine vom Staat gelenkte Wirtschaft. Eine zentrale Behörde koordiniert die Wirtschaftsprozesse aufgrund eines Plans. Dieser Plan hat Gesetzeskraft und ist für alle Beteiligten verbindlich. Er regelt vor allem die Investitionstätigkeit und die Produktion, sorgt für eine entsprechende Zuteilung von Rohstoffen, Energie und Arbeitskräften. Löhne und Preise werden ebenfalls zentral festgelegt.

Planwirtschaft ist deswegen ein eher umgangssprachlicher und ungenauer Ausdruck, weil auch in einer Marktwirtschaft von den Unternehmen oder staatlichen Stellen geplant wird - wie schon der Haushaltsplan der Regierung zeigt. Der Unterschied zwischen einer marktwirtschaftlichen und einer staatlich gelenkten Ordnung besteht vielmehr darin, dass in der Marktwirtschaft an vielen Stellen geplant wird, während dies in einer Staatswirtschaft einer zentralen Behörde übertragen wird. Deshalb wird auch besser von einer zentral geleiteten Wirtschaft oder von Zentralverwaltungswirtschaft beziehungsweise von einer sozialistischen Zentralplanwirtschaft gesprochen, wenn die im Sozialismus sowjetischer Prägung vorherrschende Wirtschaftsordnung gemeint ist. Oft wird sie auch als Kommandowirtschaft bezeichnet, weil die Leiter der Betriebe und Handelsorganisationen weitgehend auf Anweisung der staatlichen Planbehörde arbeiten mussten und wenig Spielraum für eigene Entscheidungen hatten.

Die oberste Wirtschaftsbehörde in einer Zentralplanwirtschaft trifft alle wesentlichen Entscheidungen. Formal basieren sie zwar auf der mit der Gesamtheit aller Betriebe und nach Diskussion mit den Werktätigen und den Leitern der Betriebe erarbeiteten Ziele. Doch dies war in allen sozialistischen Staaten eher eine propagandistisch herausgestellte Theorie als praktizierte Wirklichkeit. Die staatliche Planbürokratie entschied mehr oder weniger selbstherrlich, was und wie viel an welcher Stelle produziert werden sollte. Sie wies die Mittel für Investitionen zu und verteilte die Rohstoffe und die Energie. Ebenso entschied sie letztlich darüber, wie die so erzeugten Güter und Dienste (das Sozialprodukt) verteilt werden sollten. Der Außenhandel wurde in den Zentralverwaltungswirtschaften ebenfalls vom Staat gelenkt, der meist ein Aussenhandelsmonopol beanspruchte.

Die Preise sollen sich in einer zentral gelenkten Wirtschaft anders als in einer Marktwirtschaft nicht entsprechend dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage bilden und dadurch Knappheiten oder Überangebote spiegeln. Sie werden vielmehr von der staatlichen Planung nach politischen Gesichtspunkten festgelegt. Das gilt nicht nur für die Preise von Gütern und Diensten, sondern auch für den Preis von Arbeit und Kapital (Lohn und Zins). Gewinne sind in einer solchen Wirtschaft daher auch nicht das Ergebnis individueller Tüchtigkeit. Sie sind ebenfalls das Resultat einer bestimmten Planung. Deshalb können unter Umständen auch solche Betriebe hohe Gewinne machen, die mit Rohstoffen und Energie verschwenderisch umgehen und Produkte erzeugen, die niemand haben will. Ob ein Gewinn anfällt, hängt allein davon ab, wie die BehördeLöhneund Zinsen, sowie die Preise für Rohstoffe und Fertigprodukte festsetzt.

Nach der Theorie soll durch die zentrale staatliche Planung die Produktion von den Zufälligkeiten wechselnder Nachfrage und Mode sowie privaten Profitinteressen befreit sein und sich allein nach den "wahren Bedürfnissen" der Menschen richten - die dann allerdings von den Behörden bestimmt werden müssen. Weiterhin soll die Planwirtschaft eine größere Krisenfestigkeit, gerechtere Verteilung sowie Vollbeschäftigung garantieren, weil das wirtschaftliche Geschehen nicht den Zufälligkeiten von Angebot und Nachfrage überlassen wird.

Trotz des Aufbaus riesiger Behörden und Kontrollapparate ist es in den Planwirtschaften sowjetischer Prägung auch im Zeitalter der Computer nicht gelungen, die zahlreichen praktischen Probleme der Planung und Lenkung zu lösen. Dies lag nicht nur daran, dass die Planer die komplexen Vorgänge nicht ausreichend vorhersehen, planen und kontrollieren konnten. Es lag auch daran, dass in einer solchen Ordnung jede Eigeninitiative erstickt wird und die formelle Planerfüllung Vorrang vor einer optimalen Versorgung der Bevölkerung hat. Denn während in einer Marktwirtschaft derjenige durch wachsende Umsätze und Gewinne belohnt wird, der am besten die Wünsche der Konsumenten erkennt und befriedigt, haben in einer staatlichen Planwirtschaft nur die Erfolg, die sich an den Vorgaben der Planer orientieren.

Nicht nur der Zusammenbruch der staatlich gelenkten Wirtschaften in den ehemals sozialistischen Staaten, sondern auch die fehlgeschlagenen Versuche mit abgemilderten Formen staatlicher Wirtschaftssteuerung in Ländern wie Schweden oder Frankreich haben gezeigt, dass von Behörden geplante und gelenkte Volkswirtschaften den marktwirtschaftlichen Ordnungen unterlegen sind.



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